Langzeitstudie zu (Aus-)Wirkungen geschlossener Unterbringung in der Jugendhilfe

 

Einleitung

Nicht erst seit der in der Öffentlichkeit geführten Diskussion um die Unterbringungsbedingungen in den verschiedenen geschlossenen Einrichtungen der „Haasenburg GmbH“ steht diese Hilfeformform in der Kritik. Am 13. Dezember 2013 wurde der Haasenburg GmbH „die Erlaubnis für den Betrieb der Jugendhilfeeinrichtungen in Neuendorf, Müncheberg und Jessern entzogen“.

Auch die „Wiedereinführung der geschlossenen Unterbringung in Hamburg“ wurde – nicht nur in der Fachöffentlichkeit – intensiv diskutiert.

In der kürzlich erschienenen Publikation „Woher die Freiheit bei all dem Zwange“ gehen die Autor/innen der Frage nach, welche „Erfahrungen, Wirkungen und Folgen einer pädagogischen Maximalintervention wie „geschlossener Unterbringung“ festgestellt werden können (Menk, Schnorr & Schrapper 2013, S. 10).

Die Studie ist insofern besonders beachtenswert, als dass es in Deutschland „eine so langfristige begleitende Untersuchung der Folgen pädagogischer Interventionen bisher nicht gegeben hat“ (ebd. S. 11).

Im Titel der Publikation beziehen sich die Autor/innen auf Immanuel Kant, der in seinen 1803 veröffentlichten Vorlesungen „Zur Pädagogik“ feststellt, dass „eines der größten Probleme der Erziehung ist, wie man die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang mit der Fähigkeit, sich seiner Freiheit zu bedienen, vereinigen könne“ (zit. nach Menk, Schnorr & Schrapper 2013, S. 10).

(Nicht nur) die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen, dass dieses Grunddilemma pädagogischen Handelns auch heute noch aktuell ist und einer weiteren fachlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung bedarf.

In der vorliegenden Rezension sollen ausgewählte Aspekte der Studie vorgestellt werden, um der Frage nachzugehen, ob und inwieweit eine geschlossene Unterbringung im Unterschied zu anderen Formen der Hilfen zur Erziehung (HzE) geeignet ist, den als „besonders schwierig“ beschriebenen Kindern und Jugendlichen eine tragfähige Lebensperspektive zu eröffnen.

 

Wer wird wie im „Kriseninterventionszentrum“ aufgenommen?

Von insgesamt 49 Kindern und Jugendlichen, die an der Studie teilnahmen, waren 10 Kinder erst 13 Jahre alt, die anderen Jugendlichen sind zwischen 14 und 16 Jahren alt, ein Kind wird im Alter von 12 Jahren aufgenommen, ein Jugendlicher kommt mit 17 Jahren in das Kriseninterventionszentrum. Die hohe Anzahl von Kindern, die erst 13 Jahre alt sind, muss erstaunen, wenn es gilt, „dass freiheitsentziehende Maßnahmen als „ultima ratio“ an- und eingesetzt werden“ (ebd. S. 60). Auch wenn es möglich ist, dass die 13jährigen die von den Autor/innen bei allen Kindern und Jugendlichen ermittelte „lange, bewegte und interventionsreiche Hilfegeschichte“ aufweisen, scheint doch der Freiheitsentzug als Maximalintervention sehr früh angewendet zu werden (ebd. S. 61).

Die Autor/innen stellen bei allen Kindern und Jugendlichen „äußerst belastete biographische Erfahrungen“ fest, welche nach ihrer Einschätzung vor allem zu „herausforderndem Verhalten (der Kinder und Jugendlichen) der Umwelt gegenüber“ führen (ebd. S.58-59).

Der Analyse der „eltern- und kindbezogenen Aufnahmeanlässe“ (zeigt), dass sich diese nicht von den Indikatoren für offene Gruppen unterscheiden“, was insofern bemerkenswert ist, als dass angesichts dieser Maximalintervention angenommen werden könnte, dass auch die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen weitreichendere sind. So konstatieren die Autor/innen, dass für die Entscheidung für eine freiheitsentziehende Jugendhilfemaßnahme „auch immer institutionelle und strukturelle Faktoren von Bedeutung sind (wie) beispielsweise die Haltung des für den Jugendlichen zuständigen Jugendamtes“ (ebd. S.59).

In Interviews versuchen die Autor/innen der Frage nachzugehen, wie die Kinder und Jugendlichen die Aufnahme in dem Kriseninterventionszentrum erleben. Nach den Interviewbefunden erleben sich die Kinder und Jugendlichen gerade in den ersten Wochen ihres Aufenthaltes als „handlungsunfähig“, keiner ist freiwillig in das KRIZ gekommen (vgl. ebd. S. 64). In einigen der Interviews berichteten die Jugendlichen, „dass sie auf die massive Intervention nicht ausreichend vorbereitet wurden: „Ich sollte mir das KRIZ anschauen und dann musste ich dableiben, obwohl das vorher nicht ausgemacht war“ (Auszug aus einem Interview mit einem Jugendlichen, ebd. S. 65). Gerade diesen Jugendlichen „fällt es schwer, sich auf die Maßnahme einzulassen. Sie fühlen sich übergangen und betrogen“ (ebd.).

Ihr Bedürfnis nach „Erfahrungsspielräumen, Autonomie und Selbstbestimmung“ beantworten die Kinder und Jugendlichen demzufolge in den ersten Wochen ihres Aufenthaltes mit der Planung ihrer „persönlichen Ausbruchs-Geschichte“ (ebd. S. 64).

Vor allem zu Beginn hat das KRIZ „deutlichen Strafcharakter“ und wird „als spürbare Konsequenz auf ihr (meist) delinquentes Verhalten“ empfunden (ebd.).

Jedoch können die Autor/innen feststellen, dass sich die Jugendlichen „im Laufe ihrer Unterbringungszeit auffallend freimütig“ auf die Maßnahme einlassen können (ebd.).

Angesichts der Erfahrungen aus dem familiären Umfeld, den häufig wechselnden Hilfen zur Erziehung und den damit verbundenen „Beziehungs- und Institutionsabbrüchen“ sei dies so nicht zu erwarten gewesen, jedoch vermuten die Autor/innen, dass die „klaren Regeln und Strukturen (…) ihnen dabei Sicherheit und Orientierung“ bieten können (ebd.).

 

Wie bewältigen die Kinder und Jugendlichen ihren Aufenthalt?

Auf Grundlage der Auswertung der Interviews ermitteln die Autor/innen im Wesentlichen drei Strategien, mit welchen die Kinder und Jugendlichen die Zeit im Kriseninterventionszentrum bewältigen.

Dies sind zunächst die „Rebellen“, welche die Interviews vor allem dazu nutzen, „mal richtig Dampf abzulassen“ (ebd.). Nach der Interpretation der Autor/innen liegt der Fokus dieser Kinder und Jugendlichen vor allem darauf, „die Krisenintervention (…) wenn nötig auch durch eine Entweichung (…) so schnell wie möglich zu verlassen“ (ebd.). Bemerkenswert an diesem Bewältigungstypus sei außerdem, dass für die Jugendlichen „das Leben nach den freiheitsentziehenden Maßnahmen wie gewohnt seinen Gang nehmen soll“ (ebd. S. 66). Ein Bewusstsein über die Gründe ihrer Aufnahme im Kriseninterventionszentrum ist bei diesen Jugendlichen kaum vorhanden, „Äußerungen, dass sie das nicht verdient haben′, fallen häufiger als bei den anderen jungen Menschen“ (ebd.). Diese Jugendlichen könnten zwar „für sich selbst sehr genau äußern und erklären, was sie persönlich unter Recht und Unrecht verstehen (…) jedoch prallt dieses Verständnis durchaus konflikthaft auf übliche gesellschaftliche Erwartungen an jugendliches Verhalten“ (ebd.).

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es bei dem Bewältigungstypus der „Rebellen“ am wenigstens gelang, die Kinder und Jugendlichen von der Notwendigkeit einer freiheitsentziehenden Maßnahme zu überzeugen, ihr Fokus liegt weniger auf einer Veränderung ihres Sozialverhaltens, sondern vielmehr auf einer raschen Beendigung der Maßnahme. Für diese jungen Menschen scheint der Aspekt des „Zwanges“ im Vordergrund zu stehen, weshalb sie sich weniger als andere auf die anderen Aspekte der Maßnahme wie den Aufbau von Beziehungen, Schule u.ä. beziehen können.

Als zweiten Typus bestimmen die Autor/innen die „Rationalen“, welche den „größten Anteil der interviewten Jugendlichen“ ausmachen (ebd. S. 67).

Diese Gruppe ist charakterisiert durch das Bemühen der Jugendlichen, „ihrer aktuellen Situation (…) Sinn zu verleihen und diese zu verstehen“ und die Jugendlichen sind in der Lage, „die Gründe für die Unterbringung (…) differenziert einzuordnen“ (ebd.). Die Jugendlichen können einschätzen, „welches Verhalten wann angebracht ist, wie die anderen Jugendlichen einzuschätzen sind und (wie) sie ihre Interessen vor allem bei den Erziehern durchsetzen können“ (ebd.). Besonders hervorzuheben ist hier, dass diese Gruppe der Jugendlichen „mehr oder weniger präzise Zukunftsvorstellungen“ formulieren kann (ebd.).

Den dritten Typus bildet die Gruppe der sog. „Ohnmächtigen, welche sich in den Interviews als „leer, in sich gekehrt und schwer erreichbar präsentieren“ (ebd. S. 68). Besonders gravierend ist der Eindruck, dass diese Jugendlichen „eher gleichgültig und desinteressiert (…) dem eigenen Leben“ gegenüberstehen (ebd.). Dementsprechend „präsentieren sie sich als Opfer der Umstände (…), ihnen scheint alles egal zu sein“ (ebd.).

Hinsichtlich der Einschätzung ihrer Persönlichkeitsentwicklung ist aus sozialarbeiterischer Perspektive von besonderer Tragweite, dass diese Jugendlichen „offensichtlich wenig Erinnerungen an die Vergangenheit und kaum Vorstellungen für ihre Zukunft haben“ (ebd.).

 

Die Zeit in der Krisenintervention

Für die Frage, wie die Kinder und Jugendlichen die Zeit in der Krisenintervention erleben, sollen zwei Aspekte hervorgehoben werden. Dies ist zum einen die Frage, wie die „Begrenzung durch Raum und Menschen“ erlebt wird, zum anderen der wesentliche Aspekt der Bezugnahme zu den Betreuenden.

In den Interviews wird erfragt, wie die Jugendlichen die „Begrenzung“ – den dominierenden Faktor – durch welchen sich die Krisenintervention von herkömmlichen Jugendhilfemaßnahmen unterscheidet, erleben.

Für die Autor/innen auffallend ist hier zunächst die Tatsache, dass sich die Bewertung der Jugendlichen hinsichtlich der „geschlossenen Unterbringung in der Zeit zwischen den Erst- und Folgeinterviews nicht verändert (vgl. S. 70).

Eine große Anzahl der Jugendlichen empfindet die Begrenzung nur bedingt, da die Jugendlichen über ein Punktesystem die Möglichkeit haben, sich schrittweise eine Öffnung bis hin zu individuellem Ausgang zu erarbeiten (vgl. S. 69).

Die Autor/innen resümieren jedoch, dass „alle Jugendlichen die Geschlossenheit als einschneidende Intervention erleben, (jedoch) können einige junge Menschen die Krisenintervention als Schutz für sich begreifen“ (ebd. S. 70).

An dieser Stelle heben die Autor/innen die Bedeutung der betreuenden Fachkräfte im Erleben der Kinder und Jugendlichen hervor, „sie scheinen von größerer Bedeutung zu sein“ (ebd.).

Als wesentliche Erkenntnis kann man nach den Autor/innen aus den Interviews schließen, dass die jungen Menschen erfahren konnten „dass sie mit ihrem Verhalten verlässliche Reaktionen und konstante Rückmeldungen bewirken können“ (ebd. S. 280). Nach den Beschreibungen der Kinder und Jugendlichen konnten sie diese Erfahrung „in vergangenen Jugendhilfeangeboten und in ihren familiären Kontexten kaum machen“ (ebd.)

Dass diese Erfahrung ermöglicht wurde, ist als den Verdienst den betreuenden Fachkräften zuzurechnen. Auch wenn die Krisenintervention als „einschneidende Erfahrung“ (empfunden wird), tragen die Mitarbeiter/innen der Einrichtung dazu bei, dass sie sich dort – trotz der Geschlossenheit – wohl fühlen können“ (ebd. S. 70).

Wenn im Verhältnis zum Aspekt der „Geschlossenheit“ die Präsenz der Betreuenden eine so herausragende Rolle im Erleben der Jugendlichen spielt, so muss an dieser Stelle gefragt werden, ob und wie es in herkömmlichen Einrichtungen der stationären Jugendhilfe gelingen kann, ähnliche Erfahrungen zwischenmenschlicher Bezugnahme zu ermöglichen.

In den Interviews wird deutlich, dass die Jugendlichen nach einer ersten Phase der Ablehnung  „nach Abschluss der Maßnahme die Krisenintervention positiv“ bewerten (ebd. S. 279). Die Maßnahme wird dann als erfolgreich bewertet, wenn es gelang, den Jugendlichen Lernerfahrungen zu ermöglichen, „die sie in ihre eigene Lebensgeschichte integrieren können, (welche) ihnen Handlungsoptionen ermöglicht und Perspektiven eröffnet“ (ebd.). Einschränkend sollte hier jedoch angemerkt werden, dass diese Erkenntnis sicher für alle Maßnahmen der Jugendhilfe gelten kann.

 

Die Zeit nach der Krisenintervention

Für die Bewertung des „Erfolges“ der intensivpädagogischen Maßnahme untersuchten die Autor/innen zunächst die „Lebens- und Hilfesituation der Heranwachsenden nach der Krisenintervention“ (ebd. S.76).

Mit 21 von 45 Jugendlichen wird der überwiegende Teil der jungen Menschen nach der Krisenintervention in einer Wohngruppe untergebracht, je 3-4 leben bei getrennt oder zusammen lebenden Elternteilen, ebenfalls je 3 Jugendliche sind einer Auslandsmaßnahme, einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer Justizvollzugsanstalt untergebracht (ebd. S. 77).

Nach 3 bis 6 Jahren kann bei immerhin 19 jungen Menschen der Aufenthaltsort nicht mehr ermittelt werden (ebd. S. 78). Dies ist nach Auffassung der Autor/innen insofern bemerkenswert, als das sie mit Bezug auf Wolf (2007) einschätzen, dass „die Bewährungsprobe für die Qualität pädagogischer Interventionen in der Zeit nach Abschluss der Betreuung stattfindet“ (ebd. S. 80). Im Widerspruch hierzu stellen die Autor/innen jedoch fest, „dass sich Fachkräfte der Jugendhilfe kaum für den Verbleib der Jugendlichen zu interessieren scheinen und sie keine Anstrengungen unternehmen, etwas darüber in Erfahrung zu bringen“ (ebd. S.80-81).

Ein weiteres zentrales Kriterium zur Bewertung der Qualität der pädagogischen Intervention ist die „Sozial-, Arbeits- und Legalbewährung der jungen Erwachsenen“ (ebd. S. 76). Auch hier ist wieder bemerkenswert, dass nach 3 bis 6 Jahren die schulische und / oder berufliche Situation von 23 der nunmehr jungen Erwachsenen unbekannt ist (ebd. S. 79). Immerhin 15 der jungen Menschen sind ohne berufliche Perspektive, 2 befinden sich in „Berufsmaßnahmen“, 7 Jugendliche haben den Hauptschulabschluss erreicht oder holen ihn zum Zeitpunkt der Befragung nach (ebd.). Lediglich einer der Jugendlichen hat einen Realschulabschluss erreicht und mit einer Berufsausbildung begonnen (ebd.).

Die maximalintensive Unterbringung kann das selbst gesteckte Ziel, „das Steuer noch einmal herum zu reißen“, angesichts dieser Befunde kaum erreichen: „schwierige Fälle bleiben auch meist nach der Krisenintervention schwierig“ (ebd. S. 81).

Die Entwicklung und verlässliche Anbahnung einer schulischen und beruflichen Perspektive – als Voraussetzung für einen gelingenden Weg in die Selbständigkeit – ist Bestandteil (fast) jeder Hilfeplanung, wenn im Ergebnis einer so einschneidenden und aufwendigen Intervention wie der einer geschlossenen Unterbringung 60 % der betreuten Jugendlichen keinerlei berufliche Perspektive haben, scheint dieses Ziel nicht erreicht zu werden (ebd. S. 79).

Gleiches stellen die Autor/innen für das Kriterium der Straffälligkeit fest, von 45 jungen Erwachsenen kann wiederum bei 21 nicht mehr festgestellt werden, wie ihre Entwicklung verlaufen ist (ebd. S. 80). Von den verbleibenden 24 Befragten sind lediglich 10 nicht mehr straffällig geworden, von den restlichen 14 der Befragten sind lediglich 3 nur noch einmal straffällig geworden, mit 10 Personen ist der überwiegende Teil in dieser Gruppe mehrfach so gravierend straffällig geworden, dass dies mit Jugendstrafen, Jugendarrest oder Maßregelvollzug geahndet wurde (ebd.).

In diesem Sinne stellen die Autor/innen fest, dass die Krisenintervention als „letzte Chance zur Vermeidung von Jugendarrest und Jugendstrafe kaum“ greifen kann (ebd.).

 

Fazit und Ausblick

In den Schlussfolgerungen beschäftigen sich die Autor/innen vor allem mit der Frage, „wie (…) Bildungs- und Erziehungsprozesse gestaltet werden (können), damit junge Menschen lernen können, was sie zum Leben benötigen“ (ebd. S. 272). Sie beziehen sich auf die Studie von Normann (2003), welche feststellte, dass „fast alle der befragten Jugendlichen ihren Heimaufenthalt als sinnvolle Phase in ihre Biographie integrieren“, wenn ihnen „nachträglich Erfahrungen von Stabilisierung des Selbstwertgefühls und von Stärkung des Selbstvertrauens als Voraussetzung für das Erlernen von Selbständigkeit“ ermöglicht werden (ebd.). Einen ähnlichen Befund stellen die Autor/innen bei zwei der von ihnen untersuchten Fälle fest, woraus sie schließen, dass es „zweitrangig (sei), welche Hilfen tatsächlich in Anspruch genommen werden“ (ebd.). Von entscheidender Bedeutung sei statt dessen, dass den „Erfahrungen (von) Selbstwirksamkeit und – vertrauen Raum gegeben wird“ (ebd.).

Als positiv heben die Autor/innen hervor, dass die Ergebnisse der Studie zeigen, dass „die jungen Menschen in der Krisenintervention keine traumatisierenden Erfahrungen gemacht haben“ (ebd. S. 283). Dies sei zwar eine „äußerst wichtige Erkenntnis“, die jedoch nicht ausreichen kann, „um die Krisenintervention als erfolgreiche Hilfe beschreiben zu können“ (ebd.).

Es ließen sich in den Befunden „auch kaum Hinweise darauf finden, dass es etwas genützt hat, im Sinne einer nachhaltigen pädagogischen Beeinflussung“ (ebd.).

In lediglich drei der untersuchten Fälle kann ein „nachhaltiger positiver Effekt für die Jugendlichen“ ermittelt werden“ (ebd. S. 284). Der entscheidende Faktor bei diesen drei Fällen sei gewesen, „die Lernerfahrungen aus der Krisenintervention in die Anschlusshilfen zu überführen“ (ebd.).

Zusammenfassend schließen die Autor/innen, dass eine geschlossene Unterbringung „Interventionen in das Leben junger Menschen mit einem unwägbar hohen Risiko (sind), eben diese junge Menschen erneut und fortgesetzt zu verletzen, ihre positive Entwicklung eher zu verhindern als zu befördern“ (ebd. S. 286).

Die Autor/innen sehen in der „Wahl einer geschlossenen Unterbringung vor allem und zuerst Ausdruck der Hilflosigkeit und Ohnmacht“ der Fachkräfte, wie bereits eingangs beschrieben, liegen die Gründe weniger in den Jugendlichen selbst (ebd.).

Wenn, wie in den Befunden der Studie hervorgehoben wird, auch für die Maßnahmen der geschlossenen Unterbringung vor allem die Qualität und Intensität der pädagogischen Beziehung sowie die Planung der weiterführenden Maßnahmen entscheidend für den Erfolg einer Hilfe sind, sollte der Fokus der fallführenden Fachkräfte eher darauf liegen, entsprechende offene Maßnahmen für die jungen Menschen zu finden.

 

Literatur

Menk, S., Schnorr, V., Schrapper, Ch. (2013): Woher die Freiheit bei all dem Zwange? Langzeitstudie zu (Aus-) Wirkungen geschlossener Unterbringung in der Jugendhilfe, Weinheim und Basel: Beltz Juventa

(1) vgl.: http://dbsh-hamburg.de/2013/06/geschlossene-unterbringung-gu-als-sinnvolles-mittel-der-jugendhilfe/#more-1054

(2) Land Brandenburg, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport: http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.352051.de

(3) vgl. z.B.: Köttgen, Ch. 2003, In: „Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe“, 14. Jg. H. 3; S. 296-299