Sozialpädagogische Fachlichkeit - Diagnostik, Berichte und Elternarbeit

Das Team des Kinderhaus Schäfer ist seit vielen Jahren um die Entwicklung einer transparenten, fachlich fundierten und verbindlichen Sozialpädagogischen Diagnostik gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen der einzelnen Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD) bemüht. Hierbei beziehen wir uns vor allem auf die von Ader & Schrapper entwickelten Kriterien der Sozialpädagogischen Diagnostik, die hier kurz umrissen werden sollten.

Ader und Schrapper halten für zentral zu ermitteln, „welche Funktionen und welche subjektive Logik eine bestimmte Handlungs-strategie in der Lebens- und Bildungsgeschichte eines Kindes hatte“, diese Frage ist für das Team im Sinne einer konsequenten Orientierung an den Ressourcen der Kinder und Jugendlichen erkenntnisleitend (Ader & Schrapper 2004 S. 92).

Zudem fordern Ader und Schrapper, dass „Fallverstehen“ immer nur „eine schrittweise Annäherung mit immer hypothetischen Erken-ntnissen“ sein kann (ebd.). Fallverstehen muss sich auf das „Klienten- und Hilfesystem“ beziehen, um beispielsweise verstehen zu können, warum und in welcher Weise in der Vergangenheit Hilfen erfolgreich oder wirkungslos waren (vgl. ebd. S. 93).

Zudem ist für ein Fallverstehen immer auch „Perspektivenvielfalt“ erforderlich, um die Wirkung des inner- und außerfamiliären Umfeldes des Klienten erfassen und die betreffenden Personen und Institutionen einbeziehen zu können (vgl. ebd. S. 94).

Ader & Schrapper bestimmen drei zentrale Felder, deren Analyse erforderlich sei, um „sozialpädagogische Interventionsstrategien“ entwickeln zu können: dies sind 1. die „Lebensgeschichte und Lebenssituation“, 2. die „Selbstaussagen“ und 3. die „Hilfegeschichte“ des Klienten.

Mit dem nachfolgend beschriebenen Diagnoseverfahren bemüht sich das Team des Kinderhaus Schäfer diese Erkenntnisschritte umzusetzen.

 Diagnostik und Hilfeplanung

Gemeinsam mit den fallzuständigen Mitarbeiter/innen der ASD wird bereits im Vorweg der Aufnahme versucht, ein Verständnis für die besonderen Bedürfnisse des Kinder oder Jugendlichen zu entwickeln. Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens werden dann gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen und den Sorgeberechtigten erste Hilfeziele festgelegt.

Nach erfolgter Aufnahme werden mit dem Kind oder Jugendlichen verschiedene Gespräche geführt, in denen eine erste Annäherung und ein gegenseitiges Kennenlernen realisiert wird.

Etwa vier Wochen nach der Aufnahme wird mit dem Kind oder Jugendlichen – in Anlehnung an die von Uwe Uhlendorff entwickelten Kriterien der Sozialpädagogischen Diagnostik – ein „Sozialpädagogisches Interview“ durchgeführt (vgl. Uhlendorff 2010, S. 171-187).

Auf Grundlage des in den ersten vier Wochen erfolgten Erleben des Kindes oder Jugendlichen, der systematischen Auswertung des Interviews und einer Auseinandersetzung mit der „Akte“, wird dem fallzuständigen Mitarbeiter des ASD eine Sozialpädagogische Diagnostik zur Verfügung gestellt, die je nach Bedarf zusätzlich weitere Elemente wie bpsw. ein Genogramm, eine Ressourcenkarte u.ä. enthalten kann.