Kooperative Entwicklung von Hilfezielen und Hilfeplan

Diagnostik und Hilfeplanung

Gemeinsam mit den fallzuständigen Mitarbeiter/innen der ASD wird bereits im Vorweg der Aufnahme versucht, ein Verständnis für die besonderen Bedürfnisse des Kinder oder Jugendlichen zu entwickeln. Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens werden dann gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen und den Sorgeberechtigten erste Hilfeziele festgelegt.

Nach erfolgter Aufnahme werden mit dem Kind oder Jugendlichen verschiedene Gespräche geführt, in denen eine erste Annäherung und ein gegenseitiges Kennenlernen realisiert wird.

Etwa vier Wochen nach der Aufnahme wird mit dem Kind oder Jugendlichen – in Anlehnung an die von Uwe Uhlendorff entwickelten Kriterien der Sozialpädagogischen Diagnostik – ein „Sozialpädagogisches Interview“ durchgeführt (vgl. Uhlendorff 2010, S. 171-187).

Auf Grundlage des in den ersten vier Wochen erfolgten Erleben des Kindes oder Jugendlichen, der systematischen Auswertung des Interviews und einer Auseinandersetzung mit der „Akte“, wird dem fallzuständigen Mitarbeiter des ASD eine Sozialpädagogische Diagnostik zur Verfügung gestellt, die je nach Bedarf zusätzlich weitere Elemente wie bpsw. ein Genogramm, eine Ressourcenkarte u.ä. enthalten kann.

Kontinuierliche Berichte und fachlicher Austausch

Der diensthabende Betreuende erstellt Tagesberichte, die in „Qualicura“[1] eingepflegt werden (siehe auch „Qualitätssicherung). Das Team des Jugendhofes erstellt daraufhin ausführliche Monatsberichte, so dass die Mitarbeiter/innen der ASD den Entwicklungsverlauf kontinuierlich verfolgen können. Mindestens zweimal jährlich erhält das Jugendamt zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Hilfeplangespräche ausführliche Entwicklungsberichte. Über aktuelle Vorkommnisse werden die Mitarbeiter/innen der ASD umgehend schriftlich und / oder telefonisch informiert.

Hilfeziele und Planung, Beteiligung des Kindes oder Jugendlichen

In einem monatlich stattfindenden Einzelgespräch zwischen Kind oder Jugendlichen wird im Vorweg der Erstellung der Monatsberichte insbesondere deren Sicht auf die Erreichung der individuellen Hilfeziele reflektiert und gemeinsame Schlussfolgerungen gezogen, die Eingang in den Monatsbericht finden. Zusätzlich finden Einzelgespräche im Vorwege der Hilfeplangespräche statt, in welchen das Kind oder der Jugendliche eigene Einschätzungen der aktuellen Situation, eine Veränderung der Hilfeziele u.ä. äußern kann, diese Anliegen gehen ebenfalls in den zu erstellenden Entwicklungsbericht ein. Im Nachklang des Hilfeplangespräches wird der vom ASD erstellte neue Hilfeplan gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen besprochen, sollten aus Sicht des Kindes oder Jugendlichen Änderungen notwendig sein, werden diese dem ASD übermittelt.

Elternarbeit

Die Kinder und Jugendlichen können wöchentlich bei ihren Eltern anrufen. Den Familien wird die deutsche Festnetznummer des Kinderhaus Schäfer zur Verfügung gestellt, auf dieser ist eine kostenfreie Weiterleitung auf die rumänische Festnetzleitung des Jugendhofes freigeschaltet, die Sorgeberechtigten können sich demnach jederzeit zu deutschen Festnetztarifen auf dem Jugendhof in Cund telefonisch melden.

Ein im Interesse des Kindes oder Jugendlichen erfolgreicher Hilfeverlauf ist nur möglich, wenn die Sorgeberechtigten mit der Hilfemaßnahme einverstanden sind und es gelingen kann, ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis zwischen dem Team des Kinderhaus Schäfer und den Sorgeberechtigten zu entwickeln.

Durch die geographische Entfernung sind die Kontakte der Betreuenden zu den Sorgeberechtigten überwiegend auf das Telefon oder Email beschränkt. Die Sorgeberechtigten werden zeitnah über aktuelle Entwicklungen telefonisch informiert und haben außerdem jederzeit die Möglichkeit, ihrerseits Kontakt zu pädagogischen Mitarbeiter/innen aufzunehmen. Alle Sorgeberechtigten sind jederzeit eingeladen, ihre Kinder auf dem Jugendhof zu besuchen. Solche Besuche erfolgten in den letzten Jahren regelmäßig und sind insbesondere für die Kinder und Jugendlichen eine besondere Erfahrung elterlicher Zuwendung und Wertschätzung.

Je nach Anlass und Hilfeplanung besuchen die Kinder und Jugendlichen ihre Eltern etwa dreimal im Jahr, diese Besuche erfolgen üblicherweise an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern oder besonderen familiären Anlässen. Die Mitarbeiter/innen des Kinderhaus Schäfer sind darum bemüht, im Rahmen dieser Besuche persönliche Gespräche mit den Sorgeberechtigten zu führen, sollten diese dies ebenfalls wünschen.

Partizipation des Kindes oder Jugendlichen -

(nicht nur) Umsetzung §§ 8b und 45 SGBVIII

Aufgrund des innewohnenden Charakters haben die Kinder und Jugendlichen fast täglich mehrfach Kontakt zu allen Betreuenden und der pädagogischen Leitung. Alle Kinder und Jugendlichen haben jederzeit die Möglichkeit, sich direkt an die pädagogische Leitung und / oder die anderen pädagogischen Mitarbeiter/innen zu wenden. Vor dem Büro der pädagogischen Leitung befindet sich ein Briefkasten, in welchem die Kinder oder Jugendlichen jederzeit auch schriftlich ein Anliegen formulieren können, welches sie möglicherweise nicht direkt verbal äußern wollen. Im Alltag steht der diensthabende Betreuende rund um die Uhr für alle Anliegen zur Verfügung, zusätzlich kann die pädagogische Leitung oder im Falle ihrer Abwesenheit deren Vertretung jederzeit angesprochen werden.

Das „Freitagsgespräch“

Wöchentlich findet am Freitag Nachmittag das  „Freitagsgespräch“ mit dem gesamten Team und der Gruppe der Kinder und Jugendlichen statt. Zunächst wird mit jedem Kind oder Jugendlichen einzelnen das individuelle Befinden erörtert. In diesem Rahmen hat jedes Kind oder Jugendlicher die Möglichkeit, individuelle Anliegen und / oder Kritik zu äußern, auf Wunsch kann dies auch gegenüber einer einzelnen Betreuungsperson geschehen.

Im Anschluss an die Einzelgespräche findet ein Gruppengespräch statt, in diesem wird gemeinsam die Planung für die Freizeitaktivitäten des kommenden Wochenendes besprochen, es erfolgt die Planung der kommenden Woche, besondere Ereignisse, Anliegen der Gruppe usw. werden ebenfalls erörtert.

Wie bereits eingangs ausführlich beschrieben, haben alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, an der Gestaltung ihrer Zimmer und der Gemeinschafts- und Außenbereiche mitzuwirken.

Bei der Aufnahme eines Kindes oder Jugendlichen überreicht die pädagogische Leitung den Flyer „Unser Weg – Information, Mitbestimmung, Mitsprache, Selbstbestimmung“, in welchem ausführlich die Partizipationsrechte- und Möglichkeiten erläutert werden (siehe Anhang).

Das Kinderhaus Schäfer hat eine deutsche Tageszeitung abonniert, die zur Lektüre in den Gruppenräumen ausliegt, täglich sieht die Gruppe gemeinsam mit dem Betreuenden die „Tagesschau“.

Im Sinne einer aktiven Unterstützung der Ausbildung künftiger Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen und zur Förderung des fachlichen Austausches hält das Kinderhaus Schäfer jederzeit zwei Plätze für Praktikant/innen vor, eine langfristige Bewerbung ist jedoch aufgrund der großen Nachfrage notwendig.


[1] Qualicura: vollständiges Softwaresystem zur Verwaltung einer Jugendhilfeeinrichtung: http://www.qualicura.info