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Bindung und Beziehung

Nach Schleiffer begreifen wir Bindung als „eine lang andauernde, gefühlsbetonte Beziehung zu einem bestimmten Menschen“ (Schleiffer 2007, S. 27). Jedes Kind und jeder Jugendliche entwickelt „typische Bindungsverhaltensweisen, deren Funktion über den gesamten Lebenslauf nachweisbar bleibt“ (ebd.). Schleiffer, ein erfahrener Facharzt für Kinder- und  Jugendpsychiatrie sowie für Psychotherapeutische Medizin stellt fest, dass „in den Hauptthemen der Bindungsforschung die wichtigsten Problembereiche von Kindern und Jugendlichen, die in einem Heim leben“ liegen (ebd. S. 13).

Er konstatiert, dass alle Menschen ein individuell angeeignetes Bindungsverhalten aufweisen, die von uns zu betreuenden Kinder und Jugendlichen konnten häufig bereits in frühester Kindheit keine ausreichend sicheren Bindungen entwickeln, dies wird noch verschärft durch ihre Herausnahme aus dem Elternhaus. Deshalb zeigen gerade Kinder und Jugendliche, die in Heimerziehung leben, ein Bindungsverhalten, dass (auch) bei den professionellen Betreuenden „negative Affekte wie Ärger, Wut oder Angst auslöst“ (ebd. S. 14).

Diese negativen Affekte führen dann häufig zu einer Beendigung der Hilfemaßnahme durch die Einrichtung, die Kinder und Jugendlichen machen demnach auch in der Heimerziehung wiederholt die Erfahrung, dass sie abgelehnt und zurückgewiesen werden.

Heimerziehung steht also vor der besonderen Herausforderung, Kindern und Jugendlichen „korrigierende Bindungserfahrungen“ zu ermöglichen.

Das Team des Kinderhaus Schäfer geht von der konzeptionellen Grundannahme aus, dass „der pädagogische Bezug als ein notwendiges Anerkennungsverhältnis Grundlage allen pädagogischen Handelns ist“ (Colla 1999, S. 345).

Hermann Nohl definierte drei grundlegende Bedingungen der „pädagogischen Grundeinstellung“: der „unbedingte Hilfewillen, die Anerkennung der Person des zu Erziehenden (und) Beziehungsstrukturen wie Gegenseitigkeit, Nähe, emotionale Wärme, sich Verstandenfühlen“ (ebd. S. 349). Erst auf dieser Grundlage könne das „angestrebte unbedingte Vertrauen des jungen Menschen gegenüber dem Erzieher“ entstehen (ebd.).

Nur auf der Grundlage dieser beschriebenen „pädagogischen Grundeinstellung“ kann sich nach Nohl das „besondere soziale Verhältnis eines pädagogischen Bezuges“ entwickeln, durch welchen dann „das beiderseitige Vertrauensverhältnis selbst zu einem Erziehungsfaktor werden kann“ (ebd.).

Nach unserem Verständnis kann es nur mittels der Herstellung eines solchen Bezuges gelingen, den Kindern und Jugendlichen sichere und verlässliche Bindungserfahrungen zu vermitteln.