Der Weg zurück in die Gesellschaft 

Die Möglichkeit, einen Schulabschluss erlangen zu können, ist für fast alle Kinder und Jugendliche die entscheidende Motivation, sich um einen Platz im Kinderhaus Schäfer zu bewerben. Fast alle Kinder und Jugendlichen haben mit schwerwiegenden schulischen Problemen zu kämpfen: ihre Schullaufbahn ist gekennzeichnet von massiven Versagenserfahrungen, häufigen Schulwechseln und / oder langfristiger Schulabstinenz.

Da die sozialen Schwierigkeiten vieler Kinder und Jugendlicher bereits im Vorschulalter auftraten, wurde häufig ihr schulisches Leistungsvermögen deutlich niedriger eingestuft und die erforderliche Förderung fand nicht statt. Nach unserer Erfahrung beginnt so eine sich fortsetzende Dynamik aus Unterforderung und sich – daraus resultierend – zuspitzenden Schwierigkeiten im Sozialverhalten.

Das von den Mitarbeiter/innen des Kinderhaus Schäfer vertretene Menschenbild beruht auf der Grundannahme, dass es für jedes Kind und jeden Jugendlichen passende Schulformen gibt und diese zu finden eine der entscheidenden Herausforderungen an das professionelle Hilfesystem ist. Nach unserer Erfahrung ist jedes Kind und jeder Jugendliche lern- und wissbegierig und es liegt in der Verantwortung der Betreuenden, die Freude am Lernen wieder zu wecken.

Aus diesem Grund bietet das Kinderhaus Schäfer individuell entwickelte Beschulungsformen.

Aller Anfang…

Der Wiedereinstieg in die Schule erfolgt nach der Absolvierung unseres einrichtungsinternen „Schuleinstufungstestes“, der an der Alters- und Klassenstufe des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen orientiert ist. Das Erkenntnisinteresse dieses Schultestes liegt vor allem auf den Lerninteressen und Problemlösungsstrategien des Schülers und weniger auf dem formalen Abfragen vorhandenen Wissens.

Die Ergebnisse des Schultestes werden dem fallzuständigen Jugendamt in Form eines schriftlichen Berichtes zur Verfügung gestellt und auf dieser Grundlage wird gemeinsam mit dem Schüler, den Sorgeberechtigten und dem ASD ein passendes Schulkonzept erarbeitet.

 

Drei Wege zum Schulabschluss:

Einzelunterricht

In der Regel wird es erforderlich sein, dass der Schüler zunächst Einzelunterricht erhält. Die Wiederaufnahme des Unterrichts stellt für jeden Schüler eine große emotionale Herausforderung dar, da zu Beginn die Auseinandersetzung mit dem bestehenden „Nichtwissen“ im Vordergrund steht. Im Einzelunterricht wird der Schüler von einem Betreuenden unterstützt und angeleitet, neben dem Erlernen der schulischen Inhalte liegt der Focus auf der Wiederherstellung einer sozialen „Schulfähigkeit“, da häufig insbesondere Einschränkungen im Konzentrations- und Durchhaltevermögen den Schüler an der Entfaltung seines Potenzials hinderten.

Kunst im Einzelunterricht

Kunst im Einzelunterricht

Der zeitliche Umfang des Unterrichts wird individuell abgestimmt und kann sich täglich ändern, dies vor allem, um Überforderungen und daraus resultierenden Erfahrungen des (erneuten) „Scheiterns“ zu vermeiden. Darüber hinaus bieten diese intensiven Stunden dem Schüler die Möglichkeit, zu einem der Betreuenden eine besondere Beziehung zu entwickeln, Vertrauen kann aufgebaut werden und in dieser exklusiven Bezugnahme wird es dem Schüler erleichtert, vermeintliche Schwächen zuzugeben, ohne für diese Ablehnung zu erfahren.

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Institut für Lernsysteme Hamburg – Fortsetzung der regulären Schullaufbahn

Seit drei Jahren nutzt das Kinderhaus Schäfer das umfassende Angebot des „Institut für Lernsysteme Hamburg“ (ILS)[1] und verfügt damit über fundierte Erfahrung im Umgang mit diesem besonderen Lernangebot.

Das Schulangebot des ILS richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die aus verschiedenen Gründen keine „Präsenzschule“ in Deutschland besuchen können. Beginnend mit Klasse 5 können die Schüler jederzeit in ihre alters- oder leistungsentsprechende Klassenstufe einsteigen, sie sind somit Schüler einer regulären Schule in Deutschland. Dies ist für viele Kinder und Jugendliche eine große Motivation, sie haben das Gefühl, Teil eines Klassenverbandes zu sein und die als ungewöhnlich empfundene Situation einer Heimunterbringung kann gemildert werden.

Die Schüler werden für ein Jahr in ihrer entsprechenden Klassenstufe angemeldet und erhalten umfassende Lehr- und Unterrichtsmaterialien. Hierbei legt das ILS besonderen Wert auf eine ganzheitliche Förderung der Schüler, die Schüler erhalten auch in den musischen Fächern praktischen Unterricht und werden gefordert, in den naturwissenschaftlichen Fächern Experimente und eigenständige Projekte durchzuführen. Der Kurs ist so aufbereitet, dass die Schüler die Lerninhalte eigenständig bearbeiten. Aufgrund der komplexen Anforderungen werden die ILS-Schüler im Kinderhaus Schäfer jedoch weiterhin individuell betreut.

Jeder Schüler verfügt über einen individuellen Arbeitsplatz in zwei, nebeneinander liegenden Schulräumen, die sich im Büro der Einrichtungsleitung befinden. Während des Unterrichts ist stets ein Betreuender präsent, der für Fragen und Hilfestellung jederzeit zur Verfügung steht. Der Unterricht findet in der Regel, abhängig vom Vermögen des Schülers von 9.00-10.30 und 11.00- 12.30 Uhr statt. Sollte das Konzentrations- und Durchhaltevermögen des Schülers dies erlauben, findet zusätzlich am Nachmittag von 13.30-15.00 Uhr Unterricht statt.

Die Schüler senden nach den einzelnen Unterrichtseinheiten Klassenarbeiten ein, die sie in realen Testsituationen mit Aufsicht schreiben. Neben einer Zensur erhalten die Schüler ausführliche schriftliche Rückmeldungen von den jeweiligen Fachlehrern, zu denen die Schüler fortlaufend Kontakt halten können.

Das ILS bietet die Möglichkeit, Haupt-, Real,- und Gymnasialabschlüsse zu absolvieren. Besonders geeignet ist diese Schulform für Schüler, die zum Aufnahmezeitpunkt jünger als 15 Jahre sind und / oder eine durchgängige Schullaufbahn in Deutschland hatten, die auf diese Weise nicht unterbrochen werden muss.

Darüber bietet das ILS die Möglichkeit einer klassenspezifischen Einzelfachbetreuung. Dies kann insbesondere bei Schülern genutzt werden, die in einer Klassenstufe eingeschult sind, jedoch spezifischen Nachholbedarf in einzelnen Fächern haben.

Das ILS bietet ein umfassendes Programm zur schulischen Förderung, die Lehrenden stehen in engem pädagogischen Austausch mit den Betreuenden und die Bedürfnisse der Schüler können auf diese Weise individuell befriedigt werden. Die immensen schulischen Ressourcen der von uns betreuten Kinder und Jugendlichen können auf diese Weise optimal gefördert werden.

 

„Wir haben unsere eigene Schule!“ - Die Schulgruppe

Unsere einrichtungsinterne Schule unterrichtet die Jugendlichen in den Regelfächern der deutschen Hauptschule in den Klassenstufen 8 und 9. Die Gruppe besteht in der Regel aus bis zu vier Schülern, die von Anna Varga, einer deutschsprachigen Lehrerin mit deutschem Lehramtsexamen, unterrichtet werden. Der Unterricht findet an den Werktagen von 9.00-10.30 Uhr und 11.00-12.30 Uhr statt. Nachmittags bearbeiten die Schüler von 16.30-17.30 Uhr ihre Hausaufgaben, hierbei werden sie von den Betreuenden unterstützt und erhalten bei Bedarf Nachhilfe.

Nach ihrer Ankunft im Kinderhaus Schäfer werden die Jugendlichen im Einzelunterricht auf die Einschulung vorbereitet, diese erfolgt unter der Voraussetzung, dass sie in der Lage sind, dem Unterrichtsverlauf konzentriert folgen und die besondere Herausforderung einer Beschulung in der Gruppe bewältigen zu können.

Das Ziel des Unterrichts ist in der Regel der Hauptschulabschluss. Abhängig von der Gesamtentwicklung des Schülers und den definierten Hilfezielen dauert die Vorbereitung in der Regel 12- 18 Monate.

Heinrich - Andresen - Schule Sterup

Heinrich – Andresen – Schule Sterup

Auf zu den Prüfungen - Die Schulintensivphase im Kinderhaus Schäfer

In der Regel findet diese intensive Betreuungsphase jährlich statt: die Schüler nehmen an den regulären Prüfungen der „Heinrich – Andresen – Schule“ in Sterup (Schleswig-Holstein) teil.

Sechs Wochen vor den ersten schriftlichen Prüfungen reist die Schulgruppe gemeinsam mit den ihnen vertrauten Betreuenden im Kinderhaus Schäfer in Steinberghaff an. Hier werden die Schüler von zwei qualifizierten Fachlehrer/innen gezielt auf die Prüfungen vorbereitet. Die Fachlehrer/innen arbeiten seit mehreren Jahren kontinuierlich mit dem Kinderhaus Schäfer und verfügen über fundierte Erfahrungen hinsichtlich der besonderen Bedürfnisse der zu betreuenden Jugendlichen.

Zusätzlich bietet diese intensive Phase im deutschen Umfeld die Möglichkeit, an der Entwicklung einer beruflichen Perspektive zu arbeiten, definierte Hilfeziele hinsichtlich einer Berufsausbildung und Verselbständigung werden hier konkretisiert, so dass die Jugendlichen die Prüfungen im klaren Bewusstsein und Sicherheit über ihren weiteren Lebensweg antreten können.

In der Regel liegen zwischen den schriftlichen und mündlichen Prüfungsterminen weitere 4-6 Wochen, diese Phase verbringen die Jugendlichen erneut in Rumänien, um sich hier auf die mündlichen Prüfungen vorzubereiten.


[1] http://www.ils.de/fernkurse/schulabschluesse/schulunterricht-fuer-deutsche-schueler-im-ausland